Sisters of Saratoga #6

»Teddddyyyyy« Teddy hob verzückt seine Pranken an seinen großen Kopf.
Euli konnte ihren Augen kaum trauen. Aus dem Gebüsch kamen kleine Eulen gekrabbelt. Sie sahen fast aus wie sie, nur viel, viel kleiner. Kleine Flauschebälle, deren Schnabel beinahe so groß war, wie ihr gesamter Körper.
Sie blickten Euli mit großen Kulleraugen an.
»Ssssibseee?«
Euli spürte, wie es ihr warm ums Herz wurde und ein kleines »Awww« entwischte ihr.
Es kamen immer mehr und mehr kleine Eulen aus dem Gebüsch gekrabbelt. Sie sprangen um Teddy und Euli herum, brabbelten wild durcheinander, versuchten an Teddys Beinen hochzuspringen. Teddy beugte sich nach vorne, um nach den kleinen Eulen zu greifen, was Euli fast aus ihrer Balance brachte.
»Hey Teddy, nicht… Pfui, lass das. Macht das ihr wegkommt ihr kleinen Biester. Sonst… ich weiß nicht. Lasst mich einfach in Ruhe, das ist mein Teddy.«
Doch die kleinen Eulis oder Teddy hörten nicht auf sie. Eule fiel von Teddy herunter und landete im Gebüsch, welches leider sehr dornig war.
»Autsch«
Die kleinen Eulis quietschten vor Freude und sprangen an Teddy hoch, der alle in seine großen Arme nahm und mit ihnen kuschelte. Er sah aus wie der glücklichste Teddy auf der ganzen Welt. Das konnte Euli nicht zulassen.
»Komm Teddy, wir müssen weiter. Wir müssen immer noch die anderen finden.«
Teddy ignorierte sie weiterhin.
Euli warf eine Kastanie auf ihn. Doch diese prallte nur an ihm ab und fiel in die Menge an Eulis, die sich immer noch am Boden tummelten und die die Kastanie nun als Spielball benutzten.
Wo war Euli hier nur gelandet?
Plötzlich ertönte hinter Euli ein Pfiff. Die kleinen Eulis erstarrten und sprangen alle von Teddy herunter und bauten sich wie eine Gruppe Fans vor einer Festivalbühne auf.
Euli spürte einen stoßartigen Luftzug hinter sich, der sich verdächtig nach einem atmenden Lebewesen anfühlte. Zaghaft drehte sie sich um.
Hinter ihr stand wieder eine Eule, diese war dieses Mal jedoch doppelt so groß wie sie. Euli machte einen Satz nach vorne und wäre beinahe stagedivend in der Masse an kleinen Eulen gelandet.
»Wer seid ihr und was wollt ihr hier?« quietschte Euli.
»Dasselbe könnte ich euch auch fragen« Die Eule hatte fast so eine tiefe Stimme wie Teddy, jedoch klang sie nicht gerade erfreut. »Was macht Ihr mit einem Teddy in Saratoga?«
»S … Saratoga?« Eulis Stimme zitterte. Konnte das wirklich sein? Waren sie wirklich in Saratoga? Euli schüttelte den Kopf. Das konnte natürlich nicht sein. Saratoga war ein Stadtteil in einer amerikanischen Stadt und eigentlich war es Eulis Plan gewesen, in der Zeit zurückzureisen, um den Erfinder der Chips zu treffen, der ihnen wiederrum den Schlüssel und den Weg ins geheime Königreich Saratoga … obwohl irgendwie hatten sie wohl eine Abkürzung gefunden.
Euli räusperte sich. »Ich bin Euli, die Königin der Chips«
Die Eule sah sie komisch an. »Das glaube ich nicht. Das Königreich von Saratoga wird vom königlichen Schwesternpaar Eulinka, Buba und Striga geleitet.«
»Ja und ich bin … die Cousine.
»Du siehst mir eher nach einer Hochstaplerin aus. Kann ich mal deinen Ausweis sehen?«
»Ausweis?«, Euli plusterte sich auf und sah Teddy hilfesuchend an. Der hatte sich jedoch inzwischen ins Gras gesetzt und flocht sich aus den umherwachsenden Gänseblümchen eine Blumenkette.
»Ich meine sehe ich so aus, als könne ich einen Ausweis, wo soll ich denn … ich meine, ich habe noch nicht einmal eine Hose an«
Die Eule seuftste tief. »Mitkommen«
»Was? Ich? Aber ich hab doch nichts …«
Die Eule bahnte sich ihren Weg gar durch das Gebüsch und sprang auf den Weg. Die kleinen Eulis folgten der großen Eule. Zwei kleine Eulis packten Euli je rechts und links an ihren kleinen Flügeln und zerrten sie mit sich.
»Heeeeeeey, was soll das? Wo bringt ihr mich hin?«
»Teddy«, rief die Eule ihm mit ihrer tiefen Teddystimme zu. Teddy sprang artig auf und lies einen Schauer an Gänseblümchen auf Euli regnen.
Das war mal wieder eine Frechheit! Warum hörte Teddy auf eine wildfremde Eule, aber nicht auf sie? Da musste sie aber noch ein ernstes Wörtchen mit Teddy wechseln.