Sisters of Saratoga #1

»Euli!«
Babyeuli rückte ihre Schleife zurecht und sprang vom Sofa auf den Glastisch.
»Euli, wo bist du?«
Als Antwort bekam sie nur gedämpftes Schmatzen zu hören und einen lauten Rülpser.
Oh, nein! Babyeuli wusste, dass das nichts Gutes bedeuten konnte. Sie breitete ihre Flügel aus und flatterte auf das Regal. Von dort aus schob sie mit aller Kraft den Chipsschrank auf.
Sie hätte es sich gleich denken können: Euli lag mitten im Chipsschrank, die Beine von sich gestreckt. Ihr Federband hing ihr schief auf dem Kopf und die Chipstüten lagen überall verstreut.
»Chipppppse«
»Das sehe ich Euli«, Babyeuli reckte ihren Schnabel in die Höhe. »Und wie ich sehe, hast du alle aufgegessen. Du hast nicht zufällig daran gedacht, Nachschub zu besorgen?«
»Ne« Euli richtete sich schwerfällig auf. »Du bist doch dran mit Chips kaufen.«
Babyeuli rollte die Augen. »Es ist Samstagabend. Die Läden haben seit einer halben Stunde zu. Wo soll ich um die Uhrzeit noch Chips herbekommen?«
Euli murmelte etwas in ihre Federn was sich für Babyeuli verdächtig nach »Mir doch egal« anhörte.
»Das ist es nicht, Euli und das weißt du ganz genau. Du weißt, was mit Gokkie passiert, wenn er …«
Doch der Rest ihres Satzes ging in einem ohrenbetäubenden Krähen unter.
»Da haben wir den Salat«, murmelte Babyeuli und schubste Euli aus dem Chipsschrank. »Wenn man nicht alles selber macht …«

Die Notsitzung fand im Schlafzimmer statt. Teddy hatte Gokkie aufs Bett gehievt und fächelte ihn nun mit seiner großen Pranke Luft zu.
»Er braucht unbedingt seine Dosis«, sagte Hasoli, nachdem es Gokkie untersucht hat. »Euli?«
»Hat die ganzen Chips aufgegessen«, warf Babyeuli ein.
Hasoli verdrehte die Augen. »Schon wieder?«
»Jaaaaaaaa«, Euli drehte sich mit hochrotem Kopf weg.
Hasoli schüttelte den Kopf. »So geht das nicht weiter. Euli kann doch nicht ständig die ganzen Chips wegessen und dann keine neuen kaufen. Was, Teddy?«
»Teddy«
»Ja, Teddy. Exekution wäre eine Möglichkeit, bringt uns hier aber nicht weiter.«
»Teddy hat das gar nicht gesagt«, krähte Euli dazwischen. »Teddy hat ›Teddy‹ gesagt, nichts weiter«
»Aber wir sollten sicher Eulis Chipsration für diesen Monat einschränken.«
»Waaaaaaaa ….«
»Teddy«
»Oh, auf dem Balkon schlafen ist auch eine gute Idee.«
»Ihr seid so gemein«, heulte Euli.
»Du lässt uns keine andere Wahl Euli«, meinte Babyeuli.
»Das ganze Problem würde sich lösen, wenn wir so etwas wie einen ewigen Chipsbrunnen hätten.«
»Ja Euli, aber das Problem ist: Wir haben keinen ewigen Chipsbrunnen.«
»Auf Saratoga gibt es das bestimmt«
Babyeuli und Hasoli sahen sich an und verdrehten dann im Chor die Augen.
»Du sprichst doch nicht schon wieder von deiner Fantasiewelt.«
»Nein! Saratoga gibt es wirklich. Es ist eine Parallelwelt, zu der man Zugang erhält, wenn man vom Erfinder der Chips den Schlüssel erhält.«
»So?« Babyeuli wurde das allmählich zu bunt. »Dann beiweise es uns doch. Zeige uns Saratoga.«
Alle sahen Euli an.
»Ähhhhh …«
Babyeuli wollte schon ein »Hab ich es dir nicht gesagt« erwidern, da gab Euli trotzig von sich.
»Ich habe ja auch keine Zeitmaschine.«
»Du hast keine Zeitmaschine.«
»Ja« wiederholte Euli »Nur mit einer Zeitmaschine kann ich zum Erfinder der Chips reisen und den Schlüssel nach Saratoga abholen. Du musst mir eine bauen, Babyeuli. Dann kann ich das euch beweisen.«
Babyeuli wollte schon erwidern, was das für ein Unsinn sei. Doch sie wusste, dass Euli sonst mit diesem Saratoga-Kram nie aufhören würde.
»Also gut. Ich baue dir eine Zeitmaschine. Ich muss dafür nur noch eine Anleitung und die Teile finden.«
Und ihr kam schon ein Gedanke, wo sie die finden würde.